Wo soll das noch hinführen?


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Re: Re: Wo soll das noch hinführen?

06 Jan. 2008 18:27
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Liebe Anja,

ich kenne dich leider nicht, aber ich kann es ein bißchen nachvollziehen, wie es dir geht. Bin nicht persönlich betroffen, aber mein Mann. Wenn du meine Geschichte kennst, will ich sie nicht noch mal erzählen, sonst hacken wieder alle auf mir herum.
Aber wenn man wie du so ohne Perspektive ist, kann ich sehr gut verstehen, daß man in ein tiefes Loch fällt. Mein Mann ist 59 und wird wohl nach 9 Jahren PD, zur Zeit HD und katastrophales Mißlingen der TX auch wahrscheinlich für den Rest seines Lebens Dia machen müssen. Wir hoffen, noch ein paar Jahre mit PD aber letztendlich wird die HD wohl die Endstation sein. Immer von der Maschine abhängig, sein Leben nach der Dia planen, da kann man schon verzweifeln.
Ich weiß nicht so recht, wie ich dir Mut machen soll, ich hoffe sehr, du kommst aus dem tiefen Loch wieder heraus und hast hoffentlich jemanden, der dir zur Seite steht. Wenn nicht, muß du da alleine durch.
Kannst mir gerne schreiben, wenn du willst: BrandyCat@web.de
Liebe Grüße und Kopf hoch
Brandy

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Re: Re: Wo soll das noch hinführen?

07 Jan. 2008 13:27
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Liebe Anja,

ich glaube, Deine Empfindungen einigermaßen nachempfinden zu können. Jammern ist das, was Du beschreibst in meinen Ohren aber überhaupt nicht - eher eine ziemlich sachliche Situationsbeschreibung. Kann es mit diesen 30 Jahren zu tun haben? Auf mich hatte diese Zahl damals jedenfalls ganz ähnliche Auswirkungen. Obwohl ich immer gesagt hatte, daß es doch gar keine Erfahrungen gibt, wie lange jemand Dia machen kann, hat die 30 dann doch Eindruck gemacht - und noch einmal verdeutlicht, dass unser Leben (vielleicht etwas mehr als das Gesunder) zeitlich begrenzt ist, ach was, auch sonst scheue ich doch keine harten Ausdrücke: letztendlich zum Tod führen wird (und nicht daran vorbei). Und dieses Bewusstsein der Grenze, das ständige Leben an der Grenze erscheint mir entsetzlich anstrengend. Davon brauche ich Auszeiten - die ich damals dadurch fand, dass ich überlegte, was ich denn gern tue, wobei ich mich vielleicht vergessen kann, und was mir gut tut, wobei ich mich noch mal ganz anders denn als Patientin finde. Für mich war es spielen und lesen. Dichtest Du derzeit? Du kennst Dich ganz sicher gut genug um zu wissen, was Dich auf andere Gedanken bringt. Du schreibst ja schon, dass das nich dem entspreche, was Du Dir unter Leben vorstellst...

Daneben habe ich aber seither auch immer wieder ganz bewusst mein Lebensende ins Auge gefasst - wie ich es mir vorstelle und was ich noch regeln will bzw. muss...Weil ich weiß, wie schwer das manchmal zu ertragen ist, habe ich es hier weder angesprochen noch angeregt. Aber vielleicht sollten wir eine Ecke einrichten, wo wir uns damit auseinandersetzen. Es ist uns ja allen sicher. Wir können die Augen davor verschließen. Oder wir stellen uns auch der Herausforderung und bekommen dadurch mehr Tiefe. (!!! Mir ist wichtig, die Zeiten, in denen ich mich dem stelle, möglichst selbst zu bestimmen - die Kraft reicht nicht immer dazu.) In den ganz schwachen Zeiten, wenn ich durch die Gesundheit gerade wieder deutlich an die Grenze geführt werde, gibt es für mich nur ganz einzelne Texte und Melodieen und einzelne Menschen, mit denen ich dann telefonieren mag. Da klappt dann aber auch kaum noch Ablenkung, da ziehe ich mich zurück - was ich aber auch nicht als optimal erlebe.

Liebe Anja, nun bin ich beim Antworten auf Dich ins Erzählen über mich gekommen. Nimms mir bitte nicht übel! Vielleicht ist auch Erfahrungsaustausch dieser Art für mehrere von uns hilfreich? Dir alle lieben Wünsche für dieses Jubiläumsjahr und noch viele weitere dazu Deine Birgit

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Re: Re: Wo soll das noch hinführen?

07 Jan. 2008 14:54
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Hallo Anja,
es ist gut, darüber zu reden. Und dafür sind wir da.
Mein Mann und ich dachten auch 2006 und dann 2007 :
Nein, das war´s nicht!
Versuch mal Anschluss bei irgend einer Gruppe zu finden.
Uns hat es gut getan liebe Freunde zu haben, die uns unterstützten, noch nicht mal die Kinder, die haben ihre eigenen Sorgen.
Aber raus aus dem Trott. So sind wir das Risiko eingegangen und kurzerhand nach Spanien gefahren, andere Leute um uns rum die Sonne, das alles hat uns geholfen.
Mal nicht an die Krankheit und Krankenhaus denken, einfach leben!
Versuchs, uns hat das Forum hier auch viel geholfen.
Ich wünsche Dir alles Gute und schreib Dir weiterhin Deinen Frust von der Seele.
Waltraud

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Re: Re: Wo soll das noch hinführen?

08 Jan. 2008 15:07
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Hallo, silber,
als ich deine Zeilen gelesen habe, kam mir vieles sehr bekannt vor. Ich habe zur Zeit auch so ein seelisches Tief.Herbst, Winter und Frühjahr sind ja bekannt für depressive Momente.Immer, wenn es mir so geht,sage ich mirdu darfst weiterleben.Diese Erkenntnis hat den Hintergrund, das meine Mutti 1971,noch ohne Dialyse . an der gleichen Erkrankung sterben mußte. Ich dagegen darf weiterleben und irgendwann mein Endeselbst bestimmen.
Diese Zeilen mögen dir im Moment nicht helfen, aber sie sollen zeigen, das du nicht alleine bist. Suche dir noch ein paar Ziele, ganz kleine,aber machbare.Schreibe dir den Frust von der Seele, sei nicht feige. Lebe, auch für ein paar wärmende Sonnenstrahlen.Halt die Ohren steif.Du schaffst auch diese Momente. Wer 30 Jahre DIA hinter sich hat, der schafft auch diese Herausforderung.Melde dich ruhig wieder.Ich drücke dir die Daumen

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Re: Re: Wo soll das noch hinführen?

08 Jan. 2008 23:04
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Natürlich gibt es kein Patentrezept aus so einem Loch raus zu kommen. Ich habe mir gleich am Anfang meiner Dia Zeit ein neues Betätigungsfeld gesucht: für mich waren schon immer Tiere eine gute Therapie um über solche Löcher weg zu kommen. Auch wenn du dir kein eigenes Haustier anschafen willst (da braucht man als Kranker schon jemanden der einem unterstützt) freut sich jedes Tierheim über ehrenamtlicher Gassi-geher oder Helfer -und eines ist auch bewiesen: Tiere sind sehr gute Therapeuten, ung sie fühlen unsere Stimmungen sehr genau und wissen , wann sie uns aufheitern müssen:-) für mich die beste Therapie gegen Schwarze Löcher

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Re: Re: Wo soll das noch hinführen?

24 Jan. 2008 20:52
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ich kenne diese löcher,bin seit 10 jahren an der dia, ich empfehle dir ein ganz kleines buch, habe es gerade gelesen, es baute mich sehr auf. vielleicht fängst du damit mal an . es heißt: Dienstags bei Morri der Autor ist mitch albom.versuchs mal alles gute

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