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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 08 Apr 2026 15:15 #529318

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www.spektrum-dialyse.de/kolumnen/systemb...v_WUVCj4W-twmi0aIr5w


Ich bin davon betroffen und zwar seit einigen Jahren. Diese Situation ist äußerst schwierig, da der Hausarzt verschreiben muss, was andere Ärzte verordnet haben. Oft fehlt jegliches Verständnis.

Ich habe mit der Hausarztpraxis, die aus Mangel von Hausärzten in meiner Sradt in der Nachbarstadt liegt und nicht meine Wahl gewesen wäre, ständig Stress und habe ständig Probleme und unnötige Rennerei deswegen. Da kostet Zeit, Geld und Kraft. Es ist eigentlich nur zu schaffen, weil mein Mann mir viele Alltagsdinge abnimmt.

Viele Grüße
MaWa
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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 08 Apr 2026 18:38 #529321

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Hallo MaWa , kenne das Problem mein HA will auch nix Verschreieben wenn es um Medikamente der Nierenerkrankung geht (Immunsuppression / Vitamnin D usw) ,
ich nehme an da die ein Buget habten machen sie das nichr da das dann verbruacht wird .....
zur Zeit mache ich das so, das ich die Medis vom Neph bekomme der schreibt die auch ohne Fragen auf.
Ein zusätzlicher Aufwand ist es trozdem der Neph ist 30 km von mir Weg in der nächsten grösseren Stadt.


Gruss ,

YauLOng

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 08 Apr 2026 19:35 #529322

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Bei mir laufen alle Verordnungen über meine nephrologische Praxis, inclusive meine Asthmasprays.
Ich kann auch Rezepte über den Hausarzt bekommen, aber ich gehe nicht so gerne zu ihm, nachdem er versucht hat, mir für meine Post Covidschlafstörungen ein Psychopharmakon aufzuschwatzen, dass ich eher nicht nehmen darf, da ich schon eine stark verlängerte QT-Zeit im EKG habe. Ich nehme nichts, von dem mein Neph keine Kenntnis hat. Ist sicher auch richtig bei bis zu 17 verordneten Medikamenten, teils täglich zu nehmen, teils in größeren Abständen (wöchentlich, monatlich, bei Bedarf, etc.)... Bisher bekomme ich alle Rezepte dort.... Ich hoffe, dass bleibt so, mir ist es beim Lesen des Artikels eiskalt den Rücken runtergelaufen.
Ich nehme mal an, dass dieses Dilemma auf die Klage der Apotheken gegen Verordnungen von Kliniken, und von Ärzten, die Patienten weniger sehen, zurückgeht, bzw. der Praxis, die benötigten Medikamente über die Klinikapotheke gleich mitzugeben? Ihnen gingen dadurch Einnahmen durch die Lappen, so wurde es mir erzählt. Jetzt entläßt man Patienten aus dem Krankenhaus, gerne auch mal Freitag Mittag mit dem Spruch: die Medikamente verschreibt Ihnen dann der Hausarzt (den man frühestens Montag morgen sieht, und dann muss das Medikament ja auch noch besorgt, vllt. bestellt werden).... So habe ich es selber bei meinen Patientinnen erlebt, als ich noch arbeiten konnte... Teils wurden nicht einmal die notwendigen Medikamente fürs Wochenende mitgegeben.
Das jetzt auf Nierenkranke hochgerechnet, eigentlich ein Skandal.
Man kann im deutschen Gesundheitswesen mittlerweile froh sein über jedes Problem, das einen nicht betrifft. Mit Grauen denke ich an die mögliche Wiederbelebung der Praxisgebühr und der Hausarztpflicht vor jedem Facharztbesuch. das bedeutet pro Besuch einen weiteren Post Covidcrash mit 3 bis 5 Tagen, die ich ohne Hilfe nicht mehr aus dem Bett komme..... plus vllt. dauerhafte Verschlechterung meines Zustandes.

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 08 Apr 2026 20:03 #529323

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@YaulOng@Skjaldbaka

Hier geht es nicht um eine normale Dialyse und auch nicht um eine Dialyse, die von einer Praxis im Krankenhaus betrieben wird. Es geht um die Dialyse, die das Krankenhaus selbst betreibt. Hier gelten andere Regeln, nämlich dass die Ärzte, Nephrologen, nicht verordnen dürfen.
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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 08 Apr 2026 22:44 #529324

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Die notwendige Dia im Kramkenhaus machen die auch die verschreiben halt nur keine Medis mehr :

" An diesem Tag bekamen wir einen Zettel in die Hand. Fünf Sätze. Mehr nicht. Sinngemäß stand dort, dass „ab sofort“ keine Rezepte mehr durch die Dialyseabteilung ausgestellt werden dürfen und wir uns künftig, bei Bedarf, an unsere Hausärzte wenden sollen. Gleichzeitig der Hinweis, wir seien auf unsere Medikamente angewiesen und eine fehlende Einnahme könne schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben."

Das muss dan der Neph machen wenn de HA das nicht kann.

Edit:
Das die Situation in D manchmal nicht gerade schön für den Patenten ist ist leider so es gibt aber auch Länder wo mann wenn man kein Geld hat keine möglichkeit hat Versorgt zu werdem
weil es keine allgemeine Krankenversorgung gibt.

Gruss

YauLOmg

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 09 Apr 2026 01:31 #529325

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Genau so haben wirs seit "schon immer" in Österreich.
Krankenhaus schreibt Arztbriefe, Hausarzt schreibt Rezepte.

Ich kenne meinen Hausarzt garnicht, als letztes Jahr mein Hausarzt in Pension ging hab ich es nicht wert gefunden seinen Nachfolger persönlich zu treffen, ich schick immer meinen Stiefvater wie einen Boten. Weil ich mich nicht freiwillig in einem Wartezimmer voller kranker Menschen aufhalte, ich hab kein bock mich anzustecken und dann die Omas und Opas auf meiner Dialyse in Gefahr zu bringen.

@MaWa
Ich würd an deiner Stelle nurnoch den Gatten schicken mit der selben Begründung.

lg
Chris

EDIT:
Ab Juni will die Ösi-Politik die Leute davon abbringen so oft zum Hausarzt zu gehen, künftig sind 10% von jeglicher Arztrechnung selbst zu bezahlen und bis zu 700€ im Jahr.

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 09 Apr 2026 10:26 #529326

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@YaulOng

Das muss dan der Neph machen wenn de HA das nicht kann.


Genau das ist das Problem bei teilstationärer Dialyse:

Der behandelnde Nephrologe ist Krankenhausarzt und darf nicht verschreiben. Einen niedergelassenen Nephrologen gibt es nicht.

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 09 Apr 2026 11:56 #529327

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Ich habe zu diesem wohl typisch deutschen "Schnittstellenproblem" noch ein wenig im Netz gesucht:

Wenn Patienten zwischen den Stühlen sitzen, sollte die Krankenkasse schriftlich zur Sicherstellung der Versorgung aufgefordert werden.
-Argument: Die "Wirtschaftlichkeit" (Budget des Hausarztes) darf nicht über der "Notwendigkeit und Sicherheit" der Versorgung stehen.
-Hinweis auf "Praxisbesonderheiten": Hausärzte können spezielle nephrologisch verordnete Medikamente oft als Praxisbesonderheit kennzeichnen, womit diese bei einer Wirtschaftlichkeitsprüfung (Regress) herausgerechnet werden. Viele Hausärzte wissen das nicht oder scheuen den Dokumentationsaufwand. Dafür muss der Kliniknephrologe ein Schreiben aufsetzen (ein schriftlicher Therapieplan für den Hausarzt, in dem explizit steht, dass diese Medikamente aufgrund der CKD/Dialyse zwingend notwendig sind. Dann kann der Hausarzt diese Kosten bei seiner Abrechnung als "Praxisbesonderheit" kennzeichnen, womit sie sein Budget nicht mehr belasten). Er muss natürlich auch wollen....

Und dann gibt es wohl noch die "ambulante Ermächtigung durch die Kassenärztliche Vereinigung", wenn die in der Klinik vorhanden ist, muss sie die Rezepte für nephrologisch notwendige Medikamente ausstellen, und weiter gibt es vllt. die "ASV (Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung)", wenn die Klinik daran teilnimmt, dürfen die für die CKD relevanten Medikamente verordnet werden. Wird aber wohl von Kliniken gerne "vergessen".

Und seit 2017 ist das "Entlassmanagement" fest verankert und es gilt wohl im Prinzip auf für teilstaionäre Behandlungen, danach muss die Klinik sich aktiv mit der weiteren Versorgung auseinandersetzen: besonders für vulnerable Patientengruppen ist die Klinik verpflichtet, den Übergang zum Hausarzt aktiv zu moderieren, statt den Patienten nur mit einem Zettel nach Hause zu schicken.

Damit ist natürlich die rechtliche Seite der Verantwortlichkeit des Hausarztes für die Behandlung in keiner Weise geregelt.:(

Naja, Papier ist geduldig, wie gut (oder eher schlecht) das Entlassmanagement funktioniert, habe ich gerade bei meiner Schwester nach einer Operation nach einer komplizierten Unterschenkelfraktur erlebt, nämlich praktisch gar nicht....

Ich wünsche auf jeden Fall allen hiervon Betroffenen gutes Gelingen!
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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 09 Apr 2026 14:10 #529329

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@ MaWa , dann muss man sich einen Nephrologen suchen bei mir ist das auch getrennt , Dialysezugang macht ne Klinik dann dort Stationsdia und danach Dia im Zenrum hat aber alles nix mit meinen Neoh zu tun der bekommt nur den Bericht alles andere machen andere Stellen bzw Zentren.

Der Neph ist nur zur Kontolle der TX Niere und der Werte da und um mir die Meds zu verschreiben.
Wenns Probleme gibt kann der nix machen dann gehts in die Klinik.

Gruss ,

YauLOng

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 16 Apr 2026 21:36 #529373

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Ich gehe schon immer, seit jetzt 34 Jahren, in unserem städtischen Klinikum zur Dialyse, und wir bekommen schon immer unsere Medikamente vom Krankenhaus. Bei jeder Dialyse werden wir gefragt, ob wir was brauchen ( außer es wird mal vergessen :)). Nur Verbandmittel, also zum Beispiel auch Pflaster, dürfen schon lange nicht mehr mitgegeben werden, es sei denn, es hat was mit Dialyse zu tun, wenn man zum Beispiel eine Shunt OP hatte, dann bekommt man, wenn nötig, Pflaster mit nach Hause für die Wundversorgung. Und Überweisungen dürfen auch schon lange nicht mehr ausgestellt werden.
Grüße von Hachiko (ja,mich gibt es noch, war nur schon ewig nicht hier weil so viel passiert ist :( :buhuu:)

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 17 Apr 2026 09:08 #529374

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 18 Apr 2026 17:21 #529380

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Hallo!
Einfach war für mich ja eigentlich noch nie irgendwas, aber gerade die letzten 2 Jahre waren ziemlich bis sehr schwierig. Ich muss dazu sagen, dass ich nie von zu Hause ausgezogen bin, nicht nur wegen der Dialyse und weil es mir früher hinterher immer sehr schlecht ging, sondern weil ich bis vor einigen Jahren auch große Probleme mit dem Reden hatte. Und in einer eigenen Wohnung wäre ich immer nur alleine gewesen. Von meiner "Kernfamilie "( 2 Omas,Großtante, Eltern) sind nach und nach alle gestorben,zuletzt waren nur noch meine Mutter und ich übrig. Ich habe zwar noch einen älteren Bruder und eine ältere Schwester sowie 4 erwachsene Neffen, aber zu meiner Schwester und ihrer Familie habe ich schon ungefähr 20 Jahre keinen Kontakt mehr, und das möchte ich auch nicht mehr, das ist für mich inzwischen abgehakt. Mit Menschen, die sich so niederträchtig und rücksichtslos verhalten wie meine Schwester möchte ich nichts zu tun haben. Vor 6 Jahren hat sie dann den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen weil sie dieses Mal ihren Willen auch mit einer Erpressung nicht bekommen hat. Zu meinem Bruder hatte ich nie ein besonders gutes Verhältnis weil er sich einen Bruder gewünscht hatte, keine Schwester.
Zuletzt habe ich mit meiner Mutter alleine in unserer Wohnung gelebt, da haben wir 38 Jahre gewohnt. Meiner Mutter ging es in den letzten Jahren aber auch immer schlechter, sie konnte kaum noch laufen und nur noch schlecht das Gleichgewicht halten. Mein Bruder hat sich nur ab und zu mal blicken lassen, ich musste immer alleine sehen, wie ich mit allem klar komme. Er konnte immer nur kritisieren was ich alles falsch mache, aber er hat überhaupt nichts gemacht. Wenn wir unsere Nachbarin nicht gehabt hätten, die allerdings jetzt auch schon Mitte 70 ist, wäre alles noch schwieriger geworden. Wie sehr sie meiner Mutter wirklich geholfen hat, habe ich aber erst letztes Jahr erfahren.
Vorletztes Jahr im Sommer bin ich nur knapp an einem künstlichen Darmausgang vorbei gekommen. Eigentlich war ich auf Station weil mal wieder mein Shunt zu war. Aber ich hatte seit ein paar Wochen immer so komische Bauchkrämpfe, als müsste ich ganz dringend zur Toilette. Aber ich habe ja schon ungefähr 33 Jahre keine Ausscheidung mehr. Und ich dachte, wenn ich schon mal da bin, kann ich das auch gleich sagen, falls was gemacht werden muss, könnte man das vielleicht in einem Rutsch machen. Kurz gesagt, es war was, ein Abszess oder so im Bauch, eigentlich sollte ich sofort operiert werden, aber es wäre wahrscheinlich gewesen, dass ich danach einen künstlichen Darmausgang gehabt hätte. Das wollte ich natürlich auf keinen Fall und habe mich standhaft geweigert, mich operieren zu lassen. Ich habe dann mehrmals täglich Antibiotika Infusion bekommen, war 3 oder 4 Wochen im Krankenhaus. Sie haben immer wieder versucht, mich zur Op zu überreden, es kam sogar 2 Mal so eine Schwester, die sich um Patienten mit Stoma kümmert. Aber die Infusionen haben gewirkt. Und letztes Jahr bei einer Ultraschall Untersuchung hat die Ärztin P.-B. gesagt, es wäre nichts mehr zu sehen.
Wie gesagt, ging es meiner Mutter nicht mehr gut. Mir ist vorletztes Jahr auch aufgefallen, dass sie stark abgenommen hat, aber wenn ich sie gefragt hätte, hätte sie mir sowieso nichts gesagt. Ich hatte sie dann endlich soweit, dass sie eine Pflegestufe beantragt hat, aber wurde abgelehnt. Ich war fassungslos, dass meine Mutter im wahrsten Sinne des Wortes kaum noch kriechen konnte, muss auch der Beurteiler gesehen haben. Aber er hat nur einen Badewannenlifter empfohlen. Mein Bruder hat noch Widerspruch eingelegt, aber es war sowieso zu spät. An einem Dienstag morgen Anfang März, als ich morgens aufgestanden bin, saß meine Mutter nicht wie üblich im Wohnzimmer und hat Zeitung gelesen, sondern im Schlafzimmer auf ihrem Bett, aber angezogen. Ich habe sie gefragt, warum sie nicht ins Wohnzimmer kommt, mehrfach, aber sie meinte immer nur:Ja, ich komme. Nachdem ich im Bad gewesen war habe ich wieder nach ihr gesehen, da saß sie auf dem Boden neben dem Bett, hatte wohl versucht aufzustehen. Sie war überhaupt irgendwie komisch an dem Morgen. Ich wusste mir dann nicht mehr anders zu helfen und habe einen Krankenwagen gerufen und meinem Bruder Bescheid gegeben. Der Krankenwagen kam mit 3 Leuten, sie haben meine Mutter ziemlich lange untersucht, dann wollten sie sie mitnehmen. Natürlich wollte sie nicht, aber sie haben sie dann trotzdem mitgenommen. Als meine Mutter im Krankenwagen lag, habe ich sie noch gefragt, ob die Nachbarin zu Hause ist "Nein, die sind weggefahren " war das letzte, was ich von meiner Mutter gehört habe. Sie wurde in das Krankenhaus gebracht, wo ich auch zur Dialyse gehe. Die Nachbarin hatte ihre Tochter mit den 2 Enkeln zu Besuch. Ich habe aufgepasst bis sie nach Hause kamen, und ihr gleich Bescheid gesagt. Bisher hatte ich mit ihr nicht viel zu tun, das war fast nur meine Mutter. Ich sollte ihr gleich Bescheid sagen, wenn ich was höre. Mitten in der Nacht klingelte das Telefon, ich dachte schon, jetzt ist es passiert. Aber es war eine Ärztin von der Intensivstation wo meine Mutter lag. Sie hatten sie wiederbeleben müssen, und sie lag dann im künstlichen Koma.
Am nächsten Tag bei der Dialyse habe ich erzählt was passiert ist. Später war dann noch Oberarztvisite, ich habe mitgekriegt, dass er gesagt hat, er hätte was gelesen, keine Ahnung wieso, meine Mutter hatte ja mit der Abteilung überhaupt nichts zu tun, und daß ihm der Name aufgefallen wäre, aber er war nicht auf die Idee gekommen, daß es meine Mutter sein könnte. Aber an der Reaktion habe ich gemerkt, dass es mit meiner Mutter sehr schlimm gewesen sein musste. Am Nachmittag bin ich mit der Nachbarin zusammen hingefahren, direkt von der Dialyse ging nicht, man durfte erst ab 15 Uhr rein, und 3 Stunden warten nach der Dialyse wäre zu anstrengend gewesen. Es durften pro Tag auch nur 2 Leute für eine Stunde zu ihr. Ich bin dann aber alleine rein, die Nachbarin wollte doch nicht. Zuerst hat eine Ärztin mit mir geredet. Meine Mutter hatte die Grippe, sie lag weiter im künstlichen Koma, die Ärztin hat noch was von einer Blutvergiftung durch eine Entzündung gesagt und noch einiges, aber das habe ich alles gar nicht richtig mitbekommen. Ja,und da lag sie dann, überall Schläuche, und es sah aus als ob sie schläft. Ich habe mit ihr geredet, dass sie bald wieder ganz gesund sein wird und wieder nach Hause kommt, dass draußen herrliches Wetter ist und daß sie sich keine Sorgen machen muss, ich kümmere mich zu Hause um alles, und lauter solche Sachen. Ich hoffe nur, sie hat es noch irgendwie gehört. Bis Freitag war ich jeden Tag da, am Donnerstag zusammen mit meinem Bruder. Am Freitag hatte mir noch ein Arzt gesagt, es würde ihr etwas besser gehen und er wäre guter Hoffnung, dass sie es schafft. Am Samstag konnte ich nicht hin weil mein Bruder mit seinem Sohn hin wollte. Und in der Nacht von Samstag auf Sonntag klingelte dann wieder das Telefon. Es war passiert. Aber Zeit zum Trauern blieb mir eigentlich nicht. Ich bekomme Grundsicherung weil ich wegen der Dialyse nicht arbeiten kann. Deshalb mussten so viele Dinge geklärt und erledigt werden, vor allem musste ich mir eine neue Wohnung suchen. Unsere alte Wohnung war viel zu groß und zu teuer für mich alleine, aber ich habe mich da auch nicht mehr wohlgefühlt alleine, es war irgendwie unheimlich diese Stille. Wenigstens ist der Sachbearbeiter beim Sozialamt sehr nett und hilfsbereit. Aber ohne die Nachbarin hätte ich das mit dem Umzug nie geschafft. Mein Bruder hat mir natürlich nicht geholfen. Und im April, ungefähr 6 Wochen nach dem Tod meiner Mutter, war auch noch mein Shunt mal wieder zu. Ausgerechnet wo ich so viel erledigen musste! Aber der Oberarzt, Dr A., und die Ärztin P.-B. haben mir sehr geholfen. Und ich hatte dann auch endlich mal Glück, ich habe nur 2 Straßen von unserer alten Wohnung entfernt eine neue Wohnung im betreuten Wohnen gefunden. Eine sehr schöne Wohnung, 2 Zimmer, 1. Stock, nette Nachbarn, nicht nur alte Leute, einmal in der Woche gibt es Nachmittags Veranstaltungen, z B. Spielenachmittage oder Kaffeetrinken, immer wenn ich Zeit habe gehe ich da hin. Ich kann das bei der Nachbarin nie wieder gut machen wie sie mir geholfen hat, vor allem beim Aussortieren. Sie hat z.B. für das viele gute Geschirr aus dem Wohnzimmerschrank noch Abnehmer gefunden, und für viele andere Sachen auch, die ich nicht mitnehmen konnte. Da fiel es mir viel leichter mich von den Sachen zu trennen. Ich habe von ihr aber auch ein paar Sachen für die neue Wohnung bekommen, z.B. einen kleinen Tisch für die kleine Küche, der genau da rein passt. Aber als ich eine Kommode im Schlafzimmer ausgeräumt habe, habe ich einen Überweisungsschein gefunden. Verdacht auf Darmkrebs. Sie ist nicht hingegangen, hat sich nichts anmerken lassen, aber sie hat ganz sicher Krebs gehabt, sie hatte ja soviel abgenommen. Am 1. Juli bin ich eingezogen. Ich habe weiter guten Kontakt zur jetzt ehemaligen Nachbarin, ich hebe immer noch die Zeitungen für sie auf. Manchmal machen wir was zusammen, aber sie hat auch immer viel vor. So nach und nach habe ich mich eingerichtet und eingewöhnt. Seit dem letzten Sommer gehe ich einmal im Monat zu einer Trauergruppe, das wird kostenlos von einem konfessionellen Krankenhaus hier angeboten. Die bieten auch noch andere Sachen an, und ich gehe auch seit dem Sommer einmal im Monat zu einer Kreativgruppe. Wir basteln, nähen, häkeln, stricken, malen. .....,jeder was er möchte, aber zu Hause, bei den Treffen wird dann besprochen, gequatscht und die Sachen mit kleinen Etiketten versehen für die nächste Verteilaktion. Die Sachen werden bei verschiedenen Gelegenheiten an die Bewohner von 2 dem Krankenhaus angeschlossenen Pflegeheimen verteilt, aber auch für die Babies und die Sternenkinder, die in dem Krankenhaus zur Welt kommen, sowie deren Eltern werden Sachen gemacht. Bisher habe ich erst einmal bei so einer Aktion mitgemacht, kurz vor Weihnachten. Vor ein paar Wochen Ende März gab es wieder eine, ich hatte mich so drauf gefreut, aber ausgerechnet in der Woche war mein Shunt mal wieder zu und ich war stattdessen im Krankenhaus. Eigentlich läuft alles, aber meine Mutter fehlt mir so sehr, ich bin leider meistens alleine. Bei der Verteilaktion konnte ich letztes Mal nicht mitmachen, die Nachbarin, die dieses Jahr Ostern auch alleine war, hatte den Spaziergang am Ostersonntag abgesagt, ich habe sie zuletzt vor 2 Wochen nur kurz gesehen, letztes Wochenende ist sie spontan zu ihrem Sohn und den Enkeln gefahren, dieses Wochenende ist sie zu ihrem Bruder gefahren, der hat Geburtstag. Diese Woche ist die Trauergruppe ausgefallen, im Mai ist sowieso nicht, da haben die beiden Frauen Urlaub. Die Kreativgruppe nächste Woche fällt auch aus, weil die Leiterin krank ist schon 2 Wochen, und nächste Woche operiert wird. Meine Freundin hat auch keine Zeit, sie muss ja arbeiten und hat Familie und einen Garten. Im Moment geht es mir deshalb nicht besonders, ich bin außer bei der Dialyse immer alleine. Ich hatte früher schon mal versucht, übers Internet Leute kennenzulernen, aber leider musste ich die Erfahrung machen, dass das nicht funktioniert. Die Leute kommen einfach nicht, oder man bekommt keine Antwort mehr, oder es passt ihnen von vornherein nicht, wenn ich schreibe, dass ich nicht in einem Cafe sitzen möchte, weil ich aus gesundheitlichen Gründen mit dem Trinken und auch Essen vorsichtig sein muss, außerdem finde ich das ziemlich langweilig. Ich bin gerade bei schönem Wetter viel lieber draußen unterwegs. Ich will es aber trotzdem nochmal versuchen, evtl treffe ich mich nächste Woche mit jemandem, aber ich rechne jetzt schon damit, dass ich vergeblich warten werde. Und ich weiß ja auch nicht, wie derjenige ist, wir haben uns bisher nur ein paar mal kurz geschrieben. Es gibt auch kein Profilbild. Mal sehen.
Ich dachte, ich gewöhne mich irgendwann daran, dass ich jetzt alleine wohne. Aber meine Mutter fehlt mir so sehr. Von meinem Bruder höre ich auch nichts mehr, zuletzt gesehen habe ich ihn kurz nach dem Umzug im Juli. Wenn ich ihm schreibe kriege ich sowieso keine Antwort, das nervt ihn bloß. Deshalb habe ich ihn jetzt ins Archiv verschoben. Das wars also mit Familie, jetzt bin ich wirklich ganz alleine, habe nur noch die Nachbarin, meine Freundin und meine Brieffreundin. Der Gedanke daran macht mir Angst. Und wenn ich dran denke, dass jetzt zu Hause niemand mehr auf mich wartet, werde ich traurig. Am schlimmsten ist es immer wenn ich von der Dialyse nach Hause komme. Früher hat meine Mutter an der Tür auf mich gewartet, das Radio lief, wir haben uns unterhalten. Jetzt ist es still, deshalb mache ich immer gleich das Radio an, und das läuft dann auch die ganze Zeit. Und Abends der Fernseher. Der Unterschied zur Dialyse ist immer noch schlimm für mich, da habe ich Gesellschaft, es wird geredet und gelacht, da ist alles noch wie immer. Aber dann komme ich nach Hause und alles ist anders. Deshalb suche ich mir gerade für die Dialysetage immer was zu tun, z.B. Saubermachen. Das ist dann zwar anstrengend aber es lenkt ab. Wenn mir vor drei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal froh wäre, zur Dialyse gehen zu können, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber es ist jetzt so.Vielleicht ist meine Mutter ja noch irgendwo, ich habe ihren Sessel mitgenommen. Vielleicht sitzt sie abends darin und guckt mit mir zusammen Fernsehen, so wie früher. Vielleicht hat sie nachgeholfen, dass ich die Wohnung bekomme. Als kurz nach ihrem Tod der Shunt zu war, durfte ich erst noch nach Hause, meine Sachen holen. Als ich zum Krankenhaus zurück kam, war plötzlich genau über dem Krankenhaus ein :regenbogen:, vielleicht war das ja meine Mutter, und sie wollte mir sagen, daß sie da ist. Wer weiß das schon. Aber das viele Alleinsein tut mir gar nicht gut. Ich frage mich oft, was ich hier eigentlich noch soll, so ganz alleine ohne Familie, aber ehrlich gesagt, ich finde keine Antwort darauf. Nächste Woche holt die Nachbarin wieder ihre Zeitungen ab, vielleicht geht es mir dann erstmal wieder ein bisschen besser, wenn ich endlich mal wieder Gesellschaft hatte.
Das ist jetzt ordentlich lang geworden, aber vielleicht hat ja doch jemand die Geduld, es zu lesen :).
Viele Grüße von Hachiko :regenbogen:
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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 19 Apr 2026 00:16 #529381

  • Christian
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Ui ziemlich langer Beitrag.

Ich vermisse den Chat im Forum....so ein wöchentliches Treffen unter Foris und so, das fehlt mittlerweile sehr.....

Meine Generation hat für Einsamkeit eine eher neumodische Lösung: Onlinespiele und insbesondere Rollenspiele.

Man sucht sich ein Spiel das man mag, ich stehe ja eher auf Spiele zum Monster töten oder Farm-Spiele, meine Eltern wiederrum spielen Monopoly am Handy <_<
In Onlinespielen gibt es dann so Dinge wie "Stammgruppen/Gilden/Clans" denen man beitreten kann, tiefere Freundschaften gründet und zusammen spielt.

Zusammen zu spielen war schon zu Zeiten der Römern etwas gesellschaftlich verbindendes., dank des Internets erreicht zu Spielen ganz neue Dimensionen.

Oh, Nostalgie, vermisse die Zeiten als ich mit meiner Gilde 2x die Woche unsere Burg vor Angreifern verteidigen musste.....das war Spaß und alle trugen ein Headset für bessere Kommunikation.

lg
Chris

P.S.
Sich um traurige Menschen aus Mitleid zu kümmern ist kräftezehrend und eine komplizierte Freundschaft, pass auf, dass du deine Nachbarin nicht überforderst und sie dadurch verscheuchst.
Eine stabile Freundschaft braucht positive Gefühle, z.B. mit einander Spaß haben und fröhliche gemeinsame Beschäftigungen zu haben.
Wenn du viel Schmerz zum Teilen hast und deine Nachbarin nicht, entsteht ein ungesundes Ungleichgewicht und die Freundschaft könnte brechen. Eine gesunde Freunschaft ist ausgeglichen mit Geben und Nehmen ;)


Könntest dir auch ein paar Freunde auf der Dialyse suchen mit denen man in der Freizeit auch Kontakt hält? ;)
Mein Zimmer schenkt sich gegenseitig Süßigkeiten,,,..die Pfleger bewundern immer die freundschaftliche Stimmung und Harmonie zwischen meinen Kollegen und mir.
Ich hab damals mit Schokobananen angefangen, weil man sich sowas kaliumreiches nur während der Dialyse erlauben kann.
Ein Kollege hat mir dann beim nächsten mal ein großes Snickers mitgenommen, eigentlich zuviele Nüsse für einen Patienten auch während der Dialyse. Also haben wir ihn geteilt und jeder ein kleines Stück genossen.
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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 19 Apr 2026 17:41 #529384

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Hallo Hachiko,

Deinen Beitrag habe ich gestern gelesen. Ich finde, dass Du vieles ganz richtig machst, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Die Unterscheidung zwischen tatsächlicher Verwandtschaft und selbst gewählter Familie (wohlwollende Bekannte, Freundschaften) ist, denke ich, dabei gar nicht wichtig. Nimm die Angebote wahr, die Dir gut tun. Offenbar machst Du in der Kreativgruppe sogar noch etwas, das anderen gut tut. Wie schön! Ich finde gerade wichtig, dass die Kontakte sich nicht auf die Schicksalsgemeinschaft Dialyse beschränken. Obgleich es natürlich zugleich unendlich wertvoll ist, dass Du Dich auch dort wohlfühlst.

Halte weiter die Augen offen nach Ideen des Zusammenkommens/Eingebundenseins in Deinem Umfeld. In der allgemeinen Anonymität erscheint mir beispielsweise dies als ein guter Ansatz: nebenan.de/
Ausgehend davon habe ich schon eine Sitzecke für die Küche erstanden, zu Strom- und Gas-Veträgen beraten, eine Sackkarre und einen Nussknacker verborgt (und jeweils zurück erhalten). Dort kann man auch jemanden zum Spazierengehen finden oder Hilfe für ein Computerproblem, Topfpflanzen tauschen usw.

Freundliche Grüße,
fabienne

PS: Du darfst durchaus auch ein bisschen stolz sein auf all das, was Du da geschafft hast und weiterhin schaffst seit diesem Dienstag, an dem Deine Mutter nicht im Wohnzimmer saß!
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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 20 Apr 2026 20:46 #529391

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Hallo Christian!
Ich bin ja nicht immer nur traurig, auch nicht wenn ich alleine bin. Das kommt meistens in Situationen, wo meine Mutter früher immer da war, also hauptsächlich nach der Dialyse, beim Mittagessen und Abends beim Fernsehen. Aber wenn ich mit anderen zusammen bin geht es mir immer gut, und das ist nicht gespielt. Mit der Nachbarin, in der Kreativgruppe, bei den Veranstaltungen hier einmal pro Woche und auch bei der Dialyse haben wir Spaß und es wird gelacht geblödelt. Naja, bei der Dialyse kommt es natürlich auch drauf an welche Schwestern da sind, manche haben einfach mehr Humor als andere, aber nett sind alle.
Aber im Moment ist es ein bisschen schwieriger weil ich jetzt schon länger außer bei der Dialyse eigentlich nur alleine war. Die Nachbarin konnte nicht, Kreativgruppe und Trauergruppe waren zuletzt im März und fallen diesen Monat aus, bei der Verteilaktion mit der Kreativgruppe konnte ich nicht mitmachen. Aber morgen kommt die Nachbarin und holt ihre Zeitungen ab. Und sie hat vorhin am Telefon schon gesagt, dass wir dann auch einen Termin ausmachen um uns zu erzählen, was in letzter Zeit bei uns passiert ist. Und vielleicht hat meine Freundin auch bald mal wieder Zeit.
Bei der Dialyse ist niemand, mit dem ich mir eine Freundschaft vorstellen kann. Vorletztes Jahr ist die Dialyse in ein neues Gebäude im Krankenhaus umgezogen, und die Anfangszeiten wurden gestaffelt. Früher gab es Fenster zwischen den Räumen, da wusste man welche Patienten wo liegen und welche Schwestern da sind. Jetzt gibt es keine Fenster mehr und durch die neuen gestaffelten Anfangszeiten sieht man man auch kaum mal die anderen Patienten. Jeder Raum ist mehr so für sich, was woanders passiert kriegt man gar nicht mehr mit. In meinem Zimmer sind wir 4, 2 Frauen, eine schon über 80, eine ungefähr 80, sowie ein jüngerer Mann um die 40. Aber der ist mir unsympathisch, und er zeigt auch deutlich, dass er kein Interesse an Kontakten zu anderen Patienten hat. Das ist überhaupt bei den meisten so, in den alten Räumen auch schon. Manche haben nicht mal guten Morgen gesagt, die wollen alle nur ihre Zeit abliegen und dann damit bis zur nächsten Dialyse nichts mehr zu tun haben. Ich weiß auch nicht, ob eine Freundschaft mit einem anderen Dialysepatienten wirklich das Richtige für mich wäre, denn es gibt ja leider Menschen, die meinen, sie wüssten besser als man selbst was für einen gut ist, und sowas kann ich gar nicht haben :lach: Aber was du schreibst kenne ich, ich hatte das auch mal, ist aber schon ewig her, Ende 90er. Wir waren 5 Frauen im Raum und haben uns super verstanden, haben uns mit Vornamen angesprochen und uns zu Weihnachten, Ostern und Geburtstag Kleinigkeiten geschenkt. Und wir hatten immer so viel Spaß, oft hat eine Schwester oder ein Arzt bei uns reingeguckt und wollte wissen, was bei uns wieder los ist weil wir so laut gelacht haben. Die Schwestern haben sich bei uns besonders gerne aufgehalten, ich glaube, sie haben es auch wenn möglich so eingerichtet, dass sie ihre Arbeiten bei uns drinnen erledigen konnten. Und haben kräftig mitgemacht und -gelacht. Das war eine schöne Zeit. Bis dann die erste leider gestorben ist, es war die Mutter von meiner Freundin. Ich war auf der Trauerfeier, dadurch habe ich dann meine Freundin kennengelernt. Und dann ging es leider auch nach und nach mit den anderen abwärts. Und irgendwann war nur noch ich übrig von der Truppe.
Das Problem bei mir ist, dass ich einfach meine Familie sehr vermisse. Und die letzten Jahre war ja nur noch meine Mutter meine Familie. Aber in der Trauergruppe haben sie gesagt, dass es normal ist, dass ich immer noch trauere, auch wenn es jetzt schon etwas über ein Jahr her ist. Und daß es noch dauern wird und nie ganz vergehen wird. Das weiß ich ja auch, vor allem wegen meiner Oma. Und ich kann ja auch schon seit längerem wieder das Handy meiner Mutter in die Hand nehmen ohne in Tränen auszubrechen weil ich mir so sehr wünsche, sie damit anrufen und mit ihr reden zu können. Und ich rede ja trotzdem mit ihr, frage sie um Rat, wünsche ihr beim Essen guten Appetit und sowas. Und das machen viele andere aus der Trauergruppe auch, und es ist in Ordnung.


Hallo Fabienne!
Vielen Dank, ja,ich finde auch, dass ich viel geschafft habe, vor allem wenn man bedenkt, dass ich mich mit Umziehen so gar nicht auskannte vorher. Wir sind nur ein einziges Mal umgezogen, das war letztes Jahr 38 Jahre her und ich war erst 13 Jahre alt. Aber ich habe zum Glück und zu meinem großen Erstaunen viel mehr Hilfe bekommen als ich früher immer befürchtet habe, wenn ich dran gedacht habe, was werden soll, wenn meiner Mutter mal was passiert. Von der Nachbarin am meisten, aber auch von meiner Freundin und den beiden Ärzten bei der Dialyse. Die Ärztin hat mir auch die Telefonnummer von einer Sozialarbeiterin vom Gesundheitsamt rausgesucht, von der ich dann auch viel Hilfe bekommen habe. Mein Bruder hat mir nicht geholfen, aber das hatte ich auch nicht erwartet, ich kenne ihn ja.

Freunde sind super, und ich bin sehr froh, dass ich die Nachbarin, die inzwischen eigentlich auch eine Freundin geworden ist, meine Freundin und meine Brieffreundin habe. Aber so ganz wie eine Familie ist es natürlich doch nicht. Familie, das sind die Menschen zu denen man gehört, aber ich gehöre weder zur Nachbarin noch zu meiner Freundin noch meiner Brieffreundin. Sie haben ihre eigenen Familien und dazu gehöre ich nun mal nicht, leider gibt es jetzt gar keinen mehr, zu dem ich wirklich gehöre. Aber wie gesagt, ich bin heilfroh, dass ich sie alle habe.

Bei Nebenan.de habe ich mich letztes Jahr angemeldet. Ich habe darüber eine prima Lösung für eine Ecke in meiner kleinen Küche gekauft, so eine Art Tisch mit Rädern und unter der Platte noch 2 Ablagen aus stabilem Holz das passt haargenau da hin,sieht auch noch gut aus und ich habe seitdem endlich mehr Stellfläche. Allerdings musste ich auch öfter feststellen, dass die Leute aus dem Internet, egal ob Nebenan.de oder Facebook, sehr häufig sehr unzuverlässig sind. Ich habe meine Umzugskartons über Nebenan.de verkauft in 2 Etappen, und jedesmal brauchte es mehrere Anläufe bis endlich tatsächlich jemand gekommen ist. Als ich ein Problem mit der Waschmaschine hatte, haben sich mehrere gemeldet und Hilfe angeboten, aber dann nichts mehr von sich hören lassen und auch nicht mehr reagiert. Zum Glück wurde das Problem dann doch noch gelöst, es lag nicht an der Maschine sondern am Wasseranschluss, und da ich bei einer Baugenossenschaft wohne und den Schaden nicht verursacht habe, wurde es kostenlos repariert.
Bei Nebenan hatte neulich auch jemand Leute zum Spazieren gehen gesucht und ich habe mich gemeldet, bisher hat es allerdings noch nicht geklappt mit einem Termin. Aber möglicherweise diese Woche. Aber aufgrund meiner Erfahrungen rechne ich damit, dass ich vergeblich warten werde. Aber dann bin ich wenigstens auch nicht enttäuscht. Und falls es klappt und die Person sympathisch ist, umso besser. Dazu kommt, derjenige macht dieses Fasten, wo man 18 Stunden oder so nichts ißt. Dann wird er hoffentlich auch Verständnis haben, dass ich nach der Dialyse nichts mehr esse damit mir nicht wieder übel wird. Und daß ich auch sonst auf einiges achten muss beim Essen und Trinken. Und derjenige hat 2 kleine Hunde, das finde ich schön, ich selbst kann ja kein Haustier haben, weil sich niemand drum kümmern könnte wenn ich z.B. mal wieder im Krankenhaus bin, und auch wegen der Kosten. Vielleicht klappt es ja diese Woche.

Viele Grüße an alle von Hachiko! :blume:

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Teilstationär, Dialysebehandlung in der Dialyse eines Krankenhaus 20 Apr 2026 21:52 #529392

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Liebe Hachiko, als ich Deine Zeilen eben gelesen habe, dachte ich, ja, sie trauert noch. Es dauert so lange wie es dauert. Du merkst ja, dass sich schon etwas verändert hat: Du kannst das Telefon in die Hand nehmen.

So, wie Du damit umgehst, wird sich zwar langsam (ganz normal) , aber nach und nach etwas verändern. Lass Dir die Zeit, die Du brauchst. Es gibt Trauernde, die zwingen sich, fröhlich zu sein, damit es niemand merkt oder auch, weil es sie selbst so schmerzt. Dann aber verarbeitet man das nicht. Du merkst in der Trauergruppe und in den anderen Gruppen, dass Du a) nicht alleine damit bist und b) dass Du es sogar manchmal vergessen kannst und für Momente auch innerlich bei den anderen bist und Ihr zusammen lachen könnt. Da hast Du wirklich schon viel geschafft.

Diese Einsamkeitsgefühle, wenn plötzlich etwas wegbricht wie mit den Gruppen im Mai, kannte ich auch. Ich lebe schon immer alleine bis auf meine Studienjahre und habe es nach und nach gelernt, lernen müssen. Als ich noch das erste Mal transplantiert war, habe ich mich in der nahen Großstadt mit anderen zu Ausstellungen, Kino, gemeinsam im Restaurant essen und Spaziergängen verabredet. Das hat gutgetan, habe wie Du Enttäuschungen erlebt, aber nicht aufgegeben.

Ich finde auch, Du machst das richtig gut. Einen Umzug in dieser schweren Zeit (Trauer, Dialyse) zu wuppen, alle Achtung.

Hast Du da, wo Du wohnst, eine Kirchgemeinde? Vielleicht kannst Du auch da mal nach Gruppen oder Kontakten fragen? Oder den Pastor, die Pastorin bitten, Dir mal zuzuhören? Dafür muss man kein Mitglied sein.

Oderk ennst Du die Telefonseelsorge? Die Nummer findest Du bei Google. Das kostet nichts, und die geschulten Ehrenamtlichen nehmen sich Zeit zum Zuhören. Man muss sie nur oft anwählen, weil sie überlastet sind. Aber irgendwann kommt man durch, da immer mehrere Menschen gleichzeitig für eine Region aktiv sind. Und man bekommt dann die Lücke, die sich auftut, wenn ein Gespräch beendet ist.

Hier kannst Du auch schreiben und das tust Du ja. Liebe Grüße, Ulrike
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Hi :)