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Kalizm 11 Mai 2026 17:27 #529551

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Hallo,
seit zwei, drei Wochen habe ich Kaliumwerte, die nicht nachvollziehbar sind.
Ich passe am Wochenende immer sehr auf. Jetzt habe ich am Wochenende etwa 100 g Fleisch gegessen, kaum Gemüse und Nudeln. Trotzdem war das Kalium mit Lokelma erstmal 5,3. Nicht schlimm natürlich. Am Wochenende zuvor habe ich gewogen, gerechnet und bin auf 2500 mg Kalium gekommen. K 5,7., also nicht entsprechend dem, was ich gegessen habe. Davor die Wochenenden K 6,0 ohne Erklärung dafür.
Jetzt wollen wir in Urlaub fahren und ich möchte auch mal Fisch, Fleisch, Gemüse essen.
Ich habe richtig Angst, dass das Kalium explodiert.
Ich habe lange überlegt, was anders ist als vorher. Das Einzige ist, dass ich den Cholesterinsenker, ein Statin, abgesetzt habe. Ich kann nirgendwo im Netz etwas dazu finden, dass das vorher das Kalium gesenkt haben könnte.

Ich habe richtig Schiss, dass das hochschießt, wenn ich halbwegs normal esse.

Viele Grüße
MaWa

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Kalizm 12 Mai 2026 01:54 #529553

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Ich hatte heute 5,9er Kalium, weil ich schon das ganze Wochenende Sodbrennen und übersäuertem Magen+Darm habe.
Zuviel Magensäure setzt gespeichertes Kalium ebenso frei wie übersäuertes Blut.

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Kalizm 14 Mai 2026 13:00 #529574

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Hallo MaWa,

ich möchte Dir gerne ein paar Gedanken zum Thema Kalium schreiben.

Das was ich schreibe ist ein kurzer Überblick zum Thema "Kalium" und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist eine (nicht vollständige) Auflistung von den häufigsten Ursachen für ein erhöhtes Kalium bei Dialysepatienten und mögliche Abhilfen.
Wobei Deine Kaliumwerte ja alle noch im Normbereich sind. Mach Dir bitte keinen zu großen Stress!!!

In unserem Zentrum gelten Kaliumwerte bis 6 als normal (jedoch abhängig von den durchschnittlichen Vorwerten).

Ich verstehe Deine geäußerten Bedenken. Hin und wieder höre ich das auch von meinen Patienten. Sie können sich manchmal einen erhöhten Laborwert, wie zum Beispiel den aktuellen Kaliumwert, nicht erklären.

Wenn ich es richtig weiß, bist Du schon viele Jahre an der Hämodialyse und hast bereits sehr viel Erfahrung in verschiedenen Bereichen gesammelt. Deshalb wirst Du vieles von dem, was ich Dir schreibe, bereits wissen.

Vorab: Dass Statine den Kaliumwert beeinflussen, ist mir auch nicht bekannt.

Jetzt aber zum Thema Kalium.


Allgemeines:

Das Kalium befindet sich im menschlichen Körper zu 98% in der Körperzelle.

Beim gesunden Menschen wird Kalium zu 90% über die Niere, 9% über den Stuhlgang und 1% über den Schweiß ausgeschieden. Bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz kann sich der Teil des Kaliums, das über den Stuhlgang ausgeschieden wird, bis auf 30% erhöhen.

Ebenso geht bei Durchfall und beim Erbrechen sehr viel Kalium verloren.

Wenn wir vom Kaliumwert sprechen, sprechen wir grundsätzlich von dem sehr geringen Kaliumanteil, das sich im Blutserum befindet und nicht von dem Kalium in der Körperzelle.



Wie kann es zu einem erhöhten Kaliumwert bei Dialysepatienten kommen?

Um das zu verstehen muss zuvor die Frage geklärt werden: Wie kommt das Kalium ins Blut?

I. Der menschliche Körper kann Kalium nicht selbst herstellen.
Deshalb wird das Kalium
  1. von außen zugeführt (überwiegender Anteil)
  2. und/oder von den Körperzellen ins Blutserum abgegeben.



Zu 1. von außen zugeführt:

Bei Dialysepatienten denkt man deshalb bei erhöhtem Kaliumwert sehr schnell an einen Diätfehler. Was in den meisten Fällen auch so ist.

Bei manchen Patienten haben wir im Gespräch herausgefunden, dass es manchmal nicht DIE eine kaliumreiche Mahlzeit war, sondern mehrere kleinere Dinge, wie 2 Erdbeeren zwischendurch, die halbe Banane zu einem anderen Zeitpunkt, ...

Bei anderen, auch langjährigen Dialysepatienten, hat eine erneute auf den Patient zugeschnittene Ernährungsberatung manchmal zu einer neue Erkenntnis verholfen.

Wir sind zur Zeit in der Überlegung, gerade unseren langjährigen Patienten, Ernährungsberatungen in unterschiedlichen Formen in jährlichen Intervallen anzubieten.



zu 2. von den Körperzellen ins Blutserum abgegeben:

Nicht immer steckt hinter einem erhöhten Kaliumwert ein Diätfehler.

Da sich die Hauptmenge des Kaliums in der Zelle befindet, erhöht sich der Kaliumgehalt im Blut immer dann, wenn Zellen zugrunde gehen und diese dann das darin vorhandene Kalium ins Blut abgeben.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn eine Blutprobe längere Zeit liegt, bevor sie ausgewertet wird. Die roten Blutkörperchen gehen mit der Zeit zu Grunde und das darin befindliche Kalium geht ins Blutserum über.

Auch gehen die roten Blutkörperchen zugrunde, wenn man bei der Blutabnahme das Blut mit einen großen Sog aus dem Blutgefäß herauszieht (Hämolyse). Auch hier strömt das Kalium aus den roten Blutkörperchen ins Serum und erhöht damit den Kaliumwert im Serum.

Wird beim Nadellegen im Gewebe "herumgestochert" (was generell nicht sein darf), bevor die Nadel korrekt liegt, ist auch mit einem falsch hohen Kaliumwert im Serum zu rechnen.

Hat jemand Blutungen (auch kleinere Blutungen) im Magen-Darm-Trakt oder Nasenbluten wird das Kalium aus den Blutzellen in den Blutkreislauf aufgenommen und erhöhen den Kaliumwert im Serum.

Bei Gewebsnekrosen, wird das Kalium aus den abgestorbenen Gewebszellen ebenfalls in den Blutkreislauf aufgenommen.

Hungert jemand, wird das Kalium aus dem abgebauten Körpergewebe (Körperzellen) in die Blutbahn aufgenommen und erhöhen den Kaliumwert im Serum.

Auch bei einer Übersäuerung des Blutes (pH-Wert unter 7,36) strömen Wasserstoffionen in die Zelle und verdrängen das Kalium aus der Zellen ins Blut.


II: Weitere Ursachen für einen erhöhten Kaliumwert im Blut bei Dialysepatienten

Ferner können einige Medikamente (manche Betablocker oder ACE-Hemmer) den Kaliumwert im Blut erhöhen.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die verminderte Kaliumausscheidung über die Niere bei zurückgehender Urinausscheidung.

Da das erhöhte Kalium bei der Dialyse sehr gut entfernt wird, führt eine Effektivitätsminderung der Dialyse zu einem erhöhten Kaliumwert im Serum. Die Effektivitätsminderung der Dialyse können auf Shuntprobleme oder eine zu kurze Dialysezeit hinweisen.


Was kann man gegen das erhöhte Kalium im Blut machen?

Da die Hauptursache eines erhöhten Kaliums bei Dialysepatienten ein Diätfehler ist, ist eine gute, auf den Patienten zugeschnittene Ernährungsberatung das A und O.

Blutproben zur Kaliumbestimmung sollen generell ohne großen Sog abgenommen und so schnell wie möglich ausgewertet werden.

Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt zeigen sich oft durch schwarzen Stuhlgang oder können über Stuhltests auf okkultes Blut im Stuhl nachgewiesen werden.

Der Übersäuerung des Blutes kann bei Dialysepatienten auf drei Wegen begegnet werden.
  1. Durch die Dialyse werden saure Wasserstoffionen aus dem Blut entfernt
  2. Es wird Bicarbonat (zur Pufferung der Übersäuerung) über das Dialysat ins Blut abgegeben. Die Bicarbonatmenge kann am Dialysegerät individuell eingestellt werden.
  3. Es gibt Medikamente gegen die Übersäuerung des Blutes, die an dialysefreien Tagen eingenommen werden können.

Damit eine ausreichende Kaliumausscheidung über die Dialyse erfolgen kann, muss die Dialyse eine gute Effektivität haben.
Eine gute Effektivität erreicht man unter anderem durch eine ausreichend lange Dialysezeit.
Jedoch können z. B. Shuntprobleme die Effektivität einschränken. Um dies auszuschließen, kann eine Shunt-Flussmessung und eine Shunt-Rezirkulationsmessung erfolgen. Zusätzlich kann eine Shunt-Sono hilfreich sein. Ebenso kann die Beobachtung des Druckverlaufs des arteriellen und venösen Druckes über einige Wochen aufschlussreich sein.

Die Kaliumausscheidung an der Dialyse wird auch durch die Auswahl des entsprechenden Diaysekonzentrats beeinflusst. Je geringer der Kaliumanteil im Dialysekonzentrat, desto mehr Kalium wird bei der Dialyse entfernt (z. B. Konzentrat mit Kalium 1 entfernt mehr Kalium als das Konzentrat mit Kalium 4).

Bei Diabetikern ist zusätzlich eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, da Insulin und die Zuckerverwertung im Körper den Kaliumhaushalt stark beeinflusst.

Zusätzlich kann der Nephrologe "Kaliumbinder" (Medikament, das Kalium in der Nahrung bindet und über den Darm ausscheidet) für die dialysefreie Tage verordnen.
Dies nimmst Du ja schon. Kann die Dosis eventuell angepasst werden?

In wieweit eine Veränderung der Medikation möglich ist, muss der Nephrologe entscheiden.


Das waren jetzt viele Informationen.

Vielleicht hast Du den einen oder anderen Punkt gefunden, der Dir eine möglich Erklärung bietet.

Bei weiteren Fragen gerne melden.

Ich wünsche Dir eine erholsame Zeit, auch im Urlaub, ohne ständig ans Kalium zu denken.

Liebe Grüße
Heka59
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Kalizm 14 Mai 2026 13:32 #529575

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Lieber Heka,
danke.

Ich habe schon mit Heka privat geschrieben, deshalb eine kurze Antwort.
Ich denke, dass seine Ausführungen wertvoll für viele hier sind.

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Kalizm 14 Mai 2026 14:33 #529576

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Bei uns wird das Kalium nicht aus dem Vollblut bestimmt sondern das Blut wird zentrifugiert und das Serum wird untersucht. So wird ein falsch hoher Kaliumwert durch zerfallende rote Blutkörperchen vermieden.
Mein Doc hat schon das Labor gewechselt, weil sie entgegen seiner Anweisung immer wieder mal das Vollblut genommen hatten.
Nicht alle Ärzte haben das auf dem Schirm, ich würde diesbezüglich nachfragen.

LG Sabine
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Kalizm 18 Mai 2026 08:43 #529600

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Hier im Urlaub war das Kalium heute 4,4 in der BGA. Vorsichtig gegessen und Intervall etwas kürzer, weil ich sonst mittags dialysiere. Ich denke, so geht's.
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Kalizm 01 Jun 2026 09:46 #529660

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Ich habe hier einen ganz interessanten Artikel gefunden. Nicht ganz neue Erkenntnisse, aber besonders interessant, wie sich ballaststoffreiche Nahrung und Kaliumzusätze in Lebensmitteln auswirken. Sehr lesenswert.

www.medical-tribune.de/medizin/nephrolog...en-fuer-nierenkranke
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Kalizm 01 Jun 2026 14:53 #529661

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Heute war das Kalium in der BGA bei 5,7. Ich hatte nur zwei Hauptmahlzeiten, aber das lange Intervall war länger, da ich nach dem Urlaub wieder mittags gehe. Noch ein Lokelma gestern genommen. Ich hatte überlegt, ob ich überhaupt eins brauche. Verstehe das nicht.

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Hi :)