Hallo MaWa,
ich möchte Dir gerne ein paar Gedanken zum Thema Kalium schreiben.
Das was ich schreibe ist ein kurzer Überblick zum Thema "Kalium" und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist eine (nicht vollständige) Auflistung von den häufigsten Ursachen für ein erhöhtes Kalium bei Dialysepatienten und mögliche Abhilfen.
Wobei Deine Kaliumwerte ja alle noch im Normbereich sind. Mach Dir bitte keinen zu großen Stress!!!
In unserem Zentrum gelten Kaliumwerte bis 6 als normal (jedoch abhängig von den durchschnittlichen Vorwerten).
Ich verstehe Deine geäußerten Bedenken. Hin und wieder höre ich das auch von meinen Patienten. Sie können sich manchmal einen erhöhten Laborwert, wie zum Beispiel den aktuellen Kaliumwert, nicht erklären.
Wenn ich es richtig weiß, bist Du schon viele Jahre an der Hämodialyse und hast bereits sehr viel Erfahrung in verschiedenen Bereichen gesammelt. Deshalb wirst Du vieles von dem, was ich Dir schreibe, bereits wissen.
Vorab: Dass Statine den Kaliumwert beeinflussen, ist mir auch nicht bekannt.
Jetzt aber zum Thema Kalium.
Allgemeines:
Das Kalium befindet sich im menschlichen Körper zu 98% in der Körperzelle.
Beim gesunden Menschen wird Kalium zu 90% über die Niere, 9% über den Stuhlgang und 1% über den Schweiß ausgeschieden. Bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz kann sich der Teil des Kaliums, das über den Stuhlgang ausgeschieden wird, bis auf 30% erhöhen.
Ebenso geht bei Durchfall und beim Erbrechen sehr viel Kalium verloren.
Wenn wir vom Kaliumwert sprechen, sprechen wir grundsätzlich von dem sehr geringen Kaliumanteil, das sich im Blutserum befindet und nicht von dem Kalium in der Körperzelle.
Wie kann es zu einem erhöhten Kaliumwert bei Dialysepatienten kommen?
Um das zu verstehen muss zuvor die Frage geklärt werden:
Wie kommt das Kalium ins Blut?
I. Der menschliche Körper kann Kalium nicht selbst herstellen.
Deshalb wird das Kalium
- von außen zugeführt (überwiegender Anteil)
- und/oder von den Körperzellen ins Blutserum abgegeben.
Zu 1. von außen zugeführt:
Bei Dialysepatienten denkt man deshalb bei erhöhtem Kaliumwert sehr schnell an einen
Diätfehler. Was in den meisten Fällen auch so ist.
Bei manchen Patienten haben wir im Gespräch herausgefunden, dass es manchmal nicht DIE eine kaliumreiche Mahlzeit war, sondern mehrere kleinere Dinge, wie 2 Erdbeeren zwischendurch, die halbe Banane zu einem anderen Zeitpunkt, ...
Bei anderen, auch langjährigen Dialysepatienten, hat eine erneute
auf den Patient zugeschnittene Ernährungsberatung manchmal zu einer neue Erkenntnis verholfen.
Wir sind zur Zeit in der Überlegung, gerade unseren langjährigen Patienten, Ernährungsberatungen in unterschiedlichen Formen in jährlichen Intervallen anzubieten.
zu 2. von den Körperzellen ins Blutserum abgegeben:
Nicht immer steckt hinter einem erhöhten Kaliumwert ein Diätfehler.
Da sich die Hauptmenge des Kaliums in der Zelle befindet, erhöht sich der Kaliumgehalt im Blut immer dann, wenn
Zellen zugrunde gehen und diese dann das darin vorhandene Kalium ins Blut abgeben.
Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn eine
Blutprobe längere Zeit liegt, bevor sie ausgewertet wird. Die roten Blutkörperchen gehen mit der Zeit zu Grunde und das darin befindliche Kalium geht ins Blutserum über.
Auch gehen die roten Blutkörperchen zugrunde, wenn man bei der Blutabnahme das Blut mit einen
großen Sog aus dem Blutgefäß herauszieht (Hämolyse). Auch hier strömt das Kalium aus den roten Blutkörperchen ins Serum und erhöht damit den Kaliumwert im Serum.
Wird beim
Nadellegen im Gewebe "herumgestochert" (was generell nicht sein darf), bevor die Nadel korrekt liegt, ist auch mit einem falsch hohen Kaliumwert im Serum zu rechnen.
Hat jemand
Blutungen (auch kleinere Blutungen) im Magen-Darm-Trakt oder Nasenbluten wird das Kalium aus den Blutzellen in den Blutkreislauf aufgenommen und erhöhen den Kaliumwert im Serum.
Bei
Gewebsnekrosen, wird das Kalium aus den abgestorbenen Gewebszellen ebenfalls in den Blutkreislauf aufgenommen.
Hungert jemand, wird das Kalium aus dem abgebauten Körpergewebe (Körperzellen) in die Blutbahn aufgenommen und erhöhen den Kaliumwert im Serum.
Auch bei einer
Übersäuerung des Blutes (pH-Wert unter 7,36) strömen Wasserstoffionen in die Zelle und verdrängen das Kalium aus der Zellen ins Blut.
II: Weitere Ursachen für einen erhöhten Kaliumwert im Blut bei Dialysepatienten
Ferner können einige
Medikamente (manche Betablocker oder ACE-Hemmer) den Kaliumwert im Blut erhöhen.
Nicht zu vernachlässigen ist auch die verminderte Kaliumausscheidung über die Niere bei
zurückgehender Urinausscheidung.
Da das erhöhte Kalium bei der Dialyse sehr gut entfernt wird, führt eine
Effektivitätsminderung der Dialyse zu einem erhöhten Kaliumwert im Serum. Die Effektivitätsminderung der Dialyse können auf Shuntprobleme oder eine zu kurze Dialysezeit hinweisen.
Was kann man gegen das erhöhte Kalium im Blut machen?
Da die Hauptursache eines erhöhten Kaliums bei Dialysepatienten ein Diätfehler ist, ist eine gute,
auf den Patienten zugeschnittene Ernährungsberatung das A und O.
Blutproben zur Kaliumbestimmung sollen generell
ohne großen Sog abgenommen und so
schnell wie möglich ausgewertet werden.
Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt zeigen sich oft durch
schwarzen Stuhlgang oder können über
Stuhltests auf okkultes Blut im Stuhl nachgewiesen werden.
Der
Übersäuerung des Blutes kann bei Dialysepatienten auf drei Wegen begegnet werden.
- Durch die Dialyse werden saure Wasserstoffionen aus dem Blut entfernt
- Es wird Bicarbonat (zur Pufferung der Übersäuerung) über das Dialysat ins Blut abgegeben. Die Bicarbonatmenge kann am Dialysegerät individuell eingestellt werden.
- Es gibt Medikamente gegen die Übersäuerung des Blutes, die an dialysefreien Tagen eingenommen werden können.
Damit eine ausreichende Kaliumausscheidung über die Dialyse erfolgen kann, muss die
Dialyse eine gute Effektivität haben.
Eine gute Effektivität erreicht man unter anderem durch eine
ausreichend lange Dialysezeit.
Jedoch können z. B.
Shuntprobleme die Effektivität einschränken. Um dies auszuschließen, kann eine Shunt-Flussmessung und eine Shunt-Rezirkulationsmessung erfolgen. Zusätzlich kann eine Shunt-Sono hilfreich sein. Ebenso kann die Beobachtung des Druckverlaufs des arteriellen und venösen Druckes über einige Wochen aufschlussreich sein.
Die Kaliumausscheidung an der Dialyse wird auch durch die
Auswahl des entsprechenden Diaysekonzentrats beeinflusst. Je geringer der Kaliumanteil im Dialysekonzentrat, desto mehr Kalium wird bei der Dialyse entfernt (z. B. Konzentrat mit Kalium 1 entfernt mehr Kalium als das Konzentrat mit Kalium 4).
Bei
Diabetikern ist zusätzlich eine gute
Blutzuckereinstellung wichtig, da Insulin und die Zuckerverwertung im Körper den Kaliumhaushalt stark beeinflusst.
Zusätzlich kann der Nephrologe
"Kaliumbinder" (Medikament, das Kalium in der Nahrung bindet und über den Darm ausscheidet) für die dialysefreie Tage verordnen.
Dies nimmst Du ja schon. Kann die
Dosis eventuell angepasst werden?
In wieweit eine Veränderung der Medikation möglich ist, muss der Nephrologe entscheiden.
Das waren jetzt viele Informationen.
Vielleicht hast Du den einen oder anderen Punkt gefunden, der Dir eine möglich Erklärung bietet.
Bei weiteren Fragen gerne melden.
Ich wünsche Dir eine erholsame Zeit, auch im Urlaub, ohne ständig ans Kalium zu denken.
Liebe Grüße
Heka59