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Untergewicht 02 Mai 2002 00:35 #3375

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Hi Leute !

Also ich bin echt überrascht, das so wenige von Euch Probleme mit Untergewicht haben und eher das Gegenteil der Fall ist...
Liegt es vielleicht daran, das die meisten von Euch erst im `späteren Alter an die Dialyse gekommen sind, wie sieht es bei den aus die schon mit der Kinderdialyse angefangen haben.
Wäre dankbar für Tipps die dahingehen wie man als Dialysepatient an Masse zunehmen kann und was sich da besonders empfiehlt.
Gruß

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Re: Untergewicht 03 Mai 2002 12:12 #3389

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Hallo,
Sie haben sehr wenig über sich selbst gesagt, deshalb ist meine Antwort auch sehr allgemein gehalten.
Als Dialysepatient haben Sie einen relativ hohen Energieverbrauch (30 kcal bis 35 kcal pro kg Körpergewicht d.h. bei 70 kg entspricht dies zwischen 2100 kcal und 2450 kcal).
Eine Fehleinschätzung ist häufig, dass ein Dialysepatient seinen Energiebedarf dadurch deckt, dass er viel Protein isst. Die Proteinaufnahme (1 bis 1,2 g pro kg Körpergewicht, also bei 70 kg Körpergewicht zwischen 70 g und 84 g Eiweiß ) sollte die durch die Dialyse vermehrt ausgespülten Aminosäuren wieder ersetzen. Sie dient nicht der Energiebereitstellung, denn wenn das Eiweiß zur Energieversorgung verwendet wird, fallen zuviel Proteinabbauprodukte an (Harnstoff, Kreatinin) und es kommt zu einer Übersäuerung des Körpers. Dies bedeutet Stress und einen noch höheren Energiebedarf. Verschiedentlich ist das über die Nahrung aufgenommene Aminosäuremuster nicht ausgewogen, obwohl Sie das Soll an Protein erfüllen. Um dem Körper vermehrt essentielle Aminosäuren zur Verfügung zu stellen kann eine speziell für Dialysepatienten entwickelte Nährlösung erwogen werden. Es gibt aber auch Kautabletten speziell für derartige Probleme, die essentielle Aminosäuren enthalten und in Apotheken erworben werden können.
Vernachlässigt wird dagegen die Aufnahme an komplexen Kohlenhydraten zur Energiebereitstellung. Hiermit sind Nahrungsmittel wie Weizengrieß, Maisgrieß oder Graupen, neben dem Graubrot oder anderen aus Mehl oder Stärke hergestellten Brot- oder Backwaren, bzw. Teigwaren oder Reis gemeint. Ein hoher Zuckerkonsum zum Ausgleich eines Energiedefizits ist nicht geeignet, da der Zucker schnell in den Körper gelangt und keine kontinuierliche Glukoseversorgung über einen längeren Zeitraum gewährleistet. Wird eine zusätzliche Energieanreicherung über Kohlenhydrate erwogen, so sollte Maltodextrin verwendet werden.
Zudem wird häufig die Aufnahme von einfach ungesättigten Fettsäuren (hauptsächlich in Rapsöl und Olivenöl sowie in hochwertigen Margarinesorten) vernachlässigt, die für die Energiebereitstellung eine gute Quelle darstellen. Die hochwertigen Öle haben gleichzeitig den Vorteil, dass sie, wie auch Maltodextrin, den Stoffwechsel von Kalium, Phosphat, Natrium und Protein nicht ungünstig beeinflussen.
Vergessen Sie über Ihren Gedanken zur Ernährung nicht die Bewegung. Auch körperliche Aktivität trägt zur Verbesserung des Stoffwechselgeschehens bei. Sie erhöht die Stresstoleranz des Körpers und kann auf diesem Weg zu einer Gewichtnormalisierung beitragen.
B.Schwiegelshohn

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Re: Untergewicht 04 Mai 2002 14:11 #3395

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Liebe Frau Dr.Schweigelshohn,
ich lese Ihre Antworten immer mit großem Interesse und finde sie eine echte Bereicherung dieses Forums. Herzlichen Dank für Ihre Mühe.
Zu Ihrer Antwort habe ich noch eine Frage: in welchen Lebensmitteln sind denn die essentiellen Aminosäuren enthalten, von denen sie sprachen? Und in welchen Mengen müßte man die zu sich nehmen, um den Verlust durchs dialysieren wieder auszugleichen. Gibts dazu auch Literatur? - in herkömmlichen Dialyse-Ernährungsratgebern (zumindest was wir benutzen, sind aber auch schon etwas älter) szeht davon nämlich nichts.
Nochmal herzlichen Dank
Sigrid
Ich habe auch eher Untergewicht als Übergewicht (z.Zt.53 Kg bei 170 cm) und bin derzeit froh, daß ich dieses Gewicht halten kann und nicht weiter abnehme.

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Re: Untergewicht 04 Mai 2002 16:59 #3396

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Hallo Sigrid,
der Körper verwendet etwa 20 verschiedene Aminosäuren für die Bildung der körpereigenen Proteine. Von diesen Aminosäuren kann der Körper 9 Aminosäuren nicht selbst bilden. Er ist also auf die Zufuhr dieser Aminosäuren angewiesen. Daher werden diese auch als essentielle Aminosäuren bezeichnet.
Die biologische Wertigkeit (siehe unten - diesen Begriff werden Sie vermutlich auch in Ihren Büchern finden) ist ein Maß dafür, wie viel Eiweißbausteine der Körper aus einem Lebensmittel nutzen kann bzw. wie viel er wieder Abbauprozessen zuführen muss, weil die Aminosäuren im Moment nicht benötigt werden. Durch die Abbauprozesse entsteht letztendlich Kreatinin und Harnstoff. Je niedriger die biologische Wertigkeit eines Lebensmittels ist, um so höher ist sein Anteil an nicht essentiellen Aminosäuren. Vor diesem Hintergrund ist auch die Empfehlung der Zufuhr pflanzlichen Proteinen zusammen mit tierischen zu sehen, denn pflanzliche und tierische Nahrungsmittel enthalten meist unterschiedliche Mengen der verschiedenen essentiellen und nicht essentiellen Aminosäuren. Die Kombination von pflanzlichen und tierischen Proteinen erhöht die biologische Wertigkeit.
Essentielle Aminosäuren finden sich in allen eiweißhaltigen Lebensmitteln. Durch die Ermittlung der sogenannten biologischen Wertigkeit von Eiweißen und Eiweißgemischen stellte man fest, dass beispielsweise die Kombination Kartoffel/Ei im Verhältnis 300 g Kartoffeln und 30 g Vollei im Vergleich zu Vollei allein, das gewöhnlich als Referenznahrungsmittel dient und aus diesem Grund den Wert 100 zugeordnet bekommt, eine Wertigkeit von 136 hat, die Kombination Tofu/Ei im Verhältnis 100 g Tofu und 30 g Vollei kommt beispielsweise auf eine biologische Wertigkeit von 123 (für weiter Angaben zur biologischen Wertigkeit von verschiedenen Lebensmittel und Lebensmittelkombinationen möchte ich auf www.ernaehrung-fuer-gesundheit.de/Eiweiss.html und www.ernaehrung-fuer-gesundheit.de/BiolWert.html verweisen).
Durch den Prozess des Dialysierens werden vermehrt Aminosäuren ausgespült. Wird innerhalb der Ernährung die biologische Wertigkeit beachtet, so ist bei einer Aufnahme von 1 g bis 1,2 g Protein pro kg Körpergewicht davon auszugehen, dass auch die essentiellen Aminosäuren in entsprechenden Mengen aufgenommen werden. Andererseits kann es jedoch sein, dass auf Grund von Stress oder Stoffwechselungleichgewichten ein zusätzlicher Bedarf besteht. Bei Gewichtsproblemen hilft eine Zufuhr von essentiellen Aminosäuren vielfach. Pro Tag werden dann in der Regel 5 g bis 7,5 g essentielle Aminosäuren zusätzlich zugeführt. Allerdings empfehle ich Ihnen, dass Sie eine derartige Intervention mit Ihren behandelnden Dialysearzt besprechen.
Viele Grüße
Bettina Schwiegelshohn

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Re: Untergewicht 05 Mai 2002 20:04 #3412

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Hallo Dr. Schwiegelsohn!
Zunächst möchte ich mich für Ihre Antwort bedanken.
Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Situation bezüglich des Körpergewichtes fragen , so ist das folgender: Ich bin 173cm und habe ein Trockengewicht von derzeit 52Kg. Ich trinke seit ungefähr drei Monaten 1 Flasche Restoric am Tag zusätzlich und reichere die Nahrung schon mit MAltodextrin an. In der Vergangenheit war ich schon 2mal Transplantiert gewesen und habe während dieser Dauer von insgesamt 5 Jahren keinen Gramm zugenommen.
Jedenfalls spiele ich jetzt mit dem Gedanken Fitneßsport und Krafttraining zu machen, weil mich das Untergewicht total stört und ich mich ansonsten mit der Dialyse arrangiert habe. Kann dieses zusätzliche Training etwas bringen?
Allgemein arbeite ich sehr viel und bin fast ständig auf Achse, auch nach der Dialyse.
Würde mich auf eine zweite Antwort von Ihnen freuen bis dahin
Gruß
Cemay

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Re: Untergewicht 06 Mai 2002 11:55 #3427

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Hallo Cemay,
aus Ihrem Kommentar entnehme ich, dass Sie ständig auf Achse sind. Ihre Energie möchte ich in keiner Weise einschränken, aber es ist wahrscheinlich so, dass Sie Ihrem Körper relativ wenig Zeit zur Erholung zur Verfügung stellen. Unter Umständen nehmen Sie sich auch nicht genug Zeit für eine ausreichende Nahrungszufuhr.
Zur Erholung und Regeneration dient natürlich ausreichender Schlaf (circa 7 bis 8 Stunden pro Tag) und Ausdauersport. Dagegen macht Krafttraining Spaß, verbrennt Energie, erhöht die Muskelkraft und strafft den Körper. Krafttraining dient aber nicht der Regeneration. Sicherlich ist Ihnen bekannt, dass Sie in einem Fitnessstudio neben dem Krafttraining auch Ausdauersport wie Laufen oder Radfahren betreiben können. Es ist wichtig dass Sie während des Ausdauersports Ihre Herzfrequenz kontrollieren um Ihrem Herz-Kreislauf System nicht zuviel zuzumuten. Auch Ausdauersport kann in Abhängigkeit von der Intensität, in der er betrieben wird das Stresshormonniveau ansteigen lassen - und der Sinn des Ausdauersports für Sie ist ja die Stresshormone abzubauen. Lassen Sie sich bezüglich des für Sie idealen Ausdauerbereicht unter Umständen auch von einem in Sportmedizin ausgebildeten Arzt beraten.
Viele Grüße
B.Schwiegelshohn

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Hi :)

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