Hallo Sigrid,
der Körper verwendet etwa 20 verschiedene Aminosäuren für die Bildung der körpereigenen Proteine. Von diesen Aminosäuren kann der Körper 9 Aminosäuren nicht selbst bilden. Er ist also auf die Zufuhr dieser Aminosäuren angewiesen. Daher werden diese auch als essentielle Aminosäuren bezeichnet.
Die biologische Wertigkeit (siehe unten - diesen Begriff werden Sie vermutlich auch in Ihren Büchern finden) ist ein Maß dafür, wie viel Eiweißbausteine der Körper aus einem Lebensmittel nutzen kann bzw. wie viel er wieder Abbauprozessen zuführen muss, weil die Aminosäuren im Moment nicht benötigt werden. Durch die Abbauprozesse entsteht letztendlich Kreatinin und Harnstoff. Je niedriger die biologische Wertigkeit eines Lebensmittels ist, um so höher ist sein Anteil an nicht essentiellen Aminosäuren. Vor diesem Hintergrund ist auch die Empfehlung der Zufuhr pflanzlichen Proteinen zusammen mit tierischen zu sehen, denn pflanzliche und tierische Nahrungsmittel enthalten meist unterschiedliche Mengen der verschiedenen essentiellen und nicht essentiellen Aminosäuren. Die Kombination von pflanzlichen und tierischen Proteinen erhöht die biologische Wertigkeit.
Essentielle Aminosäuren finden sich in allen eiweißhaltigen Lebensmitteln. Durch die Ermittlung der sogenannten biologischen Wertigkeit von Eiweißen und Eiweißgemischen stellte man fest, dass beispielsweise die Kombination Kartoffel/Ei im Verhältnis 300 g Kartoffeln und 30 g Vollei im Vergleich zu Vollei allein, das gewöhnlich als Referenznahrungsmittel dient und aus diesem Grund den Wert 100 zugeordnet bekommt, eine Wertigkeit von 136 hat, die Kombination Tofu/Ei im Verhältnis 100 g Tofu und 30 g Vollei kommt beispielsweise auf eine biologische Wertigkeit von 123 (für weiter Angaben zur biologischen Wertigkeit von verschiedenen Lebensmittel und Lebensmittelkombinationen möchte ich auf
www.ernaehrung-fuer-gesundheit.de/Eiweiss.html und
www.ernaehrung-fuer-gesundheit.de/BiolWert.html verweisen).
Durch den Prozess des Dialysierens werden vermehrt Aminosäuren ausgespült. Wird innerhalb der Ernährung die biologische Wertigkeit beachtet, so ist bei einer Aufnahme von 1 g bis 1,2 g Protein pro kg Körpergewicht davon auszugehen, dass auch die essentiellen Aminosäuren in entsprechenden Mengen aufgenommen werden. Andererseits kann es jedoch sein, dass auf Grund von Stress oder Stoffwechselungleichgewichten ein zusätzlicher Bedarf besteht. Bei Gewichtsproblemen hilft eine Zufuhr von essentiellen Aminosäuren vielfach. Pro Tag werden dann in der Regel 5 g bis 7,5 g essentielle Aminosäuren zusätzlich zugeführt. Allerdings empfehle ich Ihnen, dass Sie eine derartige Intervention mit Ihren behandelnden Dialysearzt besprechen.
Viele Grüße
Bettina Schwiegelshohn