Hallo Tobi,
hier meine versprochene Antwort, wie man an der Fresenius 5008S den Dialysatfluss über den Dialysator ausstellen kann.
Zuerst vier grundsätzliche Dinge:
- Bei der 5008S bedeuten die blauen Tasten auf dem Bildschirm immer: wenn Du hier drückst, kannst Du Parameter ändern, was anschalten oder ausschalten.
- Mit den grünen Tasten/Anzeigen auf dem Bildschirm werden Dir Informationen angezeigt, hier kannst Du nichts ändern. Das ist eine reine Anzeige.
- Manchmal siehst Du auf einer blauen Taste einen grünen Punkt. Auch hier kannst Du durch Drücken der blauen Taste was ändern, anschalten oder ausschalten. Der grüne Punkt besagt Dir, dass die Aktion, die hinter der blauen Taste steckt, angeschaltet ist.
- Ob ein Dialysatfluss durch den Dialysator vorhanden ist, erkennst Du am linken oberen Bildschirmrand. Dort sieht Du zwei grüne Wellen und ein grauer senkrechter Balken. Solange der graue Balken sich durch die grünen Wellen bewegt, fließt Dialysat durch den Dialysator. Sobald der graue Balken still steht, fließt kein Dialysat mehr durch den Dialysator.
Es gibt drei (vier) Möglichkeiten, den Dialysatfluss durch den Dialysator an der Fresenius 5008S temporär abzuschalten. Bei der vierten Möglichkeit wird der Dialysatfluss nicht komplett abgeschaltet.
- Kurschluss-Klappe: Die schnellste Möglichkeit, den Dialysatfluss durch Dialysator abzustellen ist, die Kurzschlussteil-Klappe für die Dialysatschläuche (seitlich an dem Dialysegerät) zu öffnen. Solange die Klappe geöffnet ist, fließt kein Dialysat durch den Dialysator. Sobald Du die Kurzschlussteil-Klappe schließt, wird der Dialysatfluss wieder über den Dialysator geleitet.
Vorteil dieser Methode: schnell und unkompliziert umsetzbar
Nachteil dieser Methode: nach etwa 1/2 Minute erscheint auf dem Bildschirm die Meldung: "Kurzschlussteil offen" und ein Ping ertönt. Den Ping-Ton kannst Du wegdrücken. Aber alle zwei Minuten kommen erneut Ping-Töne. Nach welcher Zeit die Hinweistöne kommen, kann am Dialysegerät (durch den Techniker/Anwendungsberater) eingestellt werden.
- ISO-UF: Bei der ISO-UF findet kein Dialysatfluss durch den Dialysator statt. Die ISO-UF bewirkt einen reinen Wasserentzug ohne Blutreinigung.
Um die ISO-UF einzuschalten musst Du das UF-Menü anwählen. Nachdem Du Deine UF-Daten (UF-Menge und UF-Zeit) für Deine gesamte Dialysebehandlung eingegeben hast, gibst Du zuerst das ISO-Ziel ein. Das ist die Menge Wasser in ml, die während der ISO-UF entzogen werden soll und bestätigst dies mit ok. Danach gibst Du die ISO-Zeit ein. Das ist die Zeit, in der kein Dialysatfluss durch den Dialysator stattfinden soll und bestätigst dies ebenfalls mit ok. Wichtig: die ISO-Zeit darf nicht länger sein, als die restliche Dialysezeit. Jetzt startet sofort die ISO-UF. Nach Ablauf der ISO-Zeit schaltet das Dialysegerät eigenständig wieder auf die Dialyse zurück.
Wichtig: wenn Du 6 Stunden Dialysezeit im UF-Menü eingestellt hast und dann eine ISO-UF von z. B. 30 Minuten einstellst, hast Du nur 5 Stunden und 30 Minuten Dialysezeit für die Blutreinigung.
Vorteil: Die Zeit, in der kein Dialysatfluss durch den Dialysator stattfindet, kann im voraus genau bestimmt werden. Es gibt keine akustischen Störungen.
Nachteil: ISO-Daten müssen am Monitor eingegeben werden.
- Wasseralarm: Das Dialysat fließt nur dann durch den Dialysator, solange die Salzkonzentration im Dialysat und die Dialysattemperatur stimmen. Wenn Du den Ansaugstab aus dem Dialysatkanister ziehst und dieser jetzt Luft ansaugt, verringert sich die Salzkonzentration im Dialysat. Als Folge wird das Dialysat nicht mehr über den Dialysator geleitet. Solange die Salzkonzentration im Dialysat nicht mehr stimmt, meldet sich das Dialysegerät mit einer Anzeige auf dem Monitor und einer akustischen Meldung. Wenn der Ansaugstab wieder zurück in den Dialysatkanister gesteckt wird, entsteht wieder die richtige Salzkonzentration und das Dialysat fließt wieder über den Dialysator.
Vorteil: schnell umsetzbar
Nachteil: die Umleitung des Dialysats findet verzögert statt, akustische Störung
- Minimieren des Dialysatflusses: Im Dialysatmenü kannst Du den Dialysatfluss auf minimal 100 ml/min reduzieren, aber nicht ganz abschalten (I/O ist grau hinterlegt).
Während der Dialyse testet sich das Dialysegerät von Zeit zu Zeit selbst. Während des Tests kann es vorkommen, dass der Dialysatfluss unterbrochen ist.
Medikamentengabe während der Dialyse
Du schreibst, dass Du den Dialysatfluss vorübergehend abschalten möchtest, damit im Notfall während der Dialyse gegebene Medikamente nicht gleich wieder herausdialysiert werden.
Im
lebensbedrohlichen Notfall wirst Du in der Regel sehr schnell vom Dialysegerät abgeschlossen und die Medikamente werden dann über den liegenden Dialysezugang (Shunt, Katheter) verabreicht.
Planmäßig zu verabreichende Medikamente verabreicht man, wenn möglich, erst am Dialyseende, während dem Abschließen in den venösen Schenkel des Schlauchsystems.
Ob und wieviel von einem Medikament, das während der Dialyse verabreicht wird, über die laufende Dialyse wieder entfernt wird, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Eiweißbindung
Sobald sich das Medikament im Blut an Eiweiß bindet, kann es nicht mehr entfernt werden. Eiweiß passt nicht durch die Poren im Dialysator.
Die Eiweißbindung ist bei den verschiedenen Medikamenten sehr unterschiedlich. Dafür gibt es sehr gute Tabellen, aus denen man dies ablesen kann.
Manchmal ist im Beipackzettel des Medikaments auch ein Hinweis darauf zu finden.
- Verteilungsvolumen
Der menschliche Körper besteht zum größten Teil aus Wasser. Die Wassermenge im menschlichen Körper ist deshalb überwiegend abhängig vom Körpergewicht.
Ein Mensch, der mehr wiegt, hat ein höheres Verteilungsvolumen (Wasservolumen) als ein Mensch mit weniger Gewicht.
Das Medikament, das ins Blut gespritzt wird, verteilt sich im menschlichen Körper an die Stellen, an denen sich das Wasser befindet (in den Zellen, in den Zwischenzellräumen, in den Blut- und Lymphgefäßen, ... .
Durch das Wasser im menschlichen Körper wird das Medikament verdünnt. Das bedeutet, dass die Konzentration des Medikaments (auch im Blut) bei gleicher Dosis bei Patienten mit mehr Gewicht geringer ist, als bei Patienten mit weniger Gewicht.
Bei einer niedrigeren Konzentration des Medikaments im Blut, wird auch pro Zeiteinheit über die Dialyse weniger von dem nicht-eiweiß-gebundenen Medikament entfernt.
- Effektiver Shuntfluss
Eine Shuntrezirkulation erhöht den Medikamentenverlust durch die Dialyse.
Zu Deiner Frage, welche Dialysatoren wir für die HDF verwenden:
Wir verwenden in unseren Zentren für die HDF die Filter Cordiax FX 80 und Cordiax FX 100. Die von Dir genannten Filter HämoDIAfilter FX600/800/1000 kenne ich nicht, werde mich aber über diese erkundigen und Dir dann berichten.
Alles Gute Dir weiterhin.
heka59